2019: Rumänien 1 (die Zweite)

Und das sogar in doppelter Hinsicht. Auch diesen Bericht schreibe ich nun, 2021, zum zweiten Mal. Ich dachte ja, ich hätte mit Griechenland 2020 die Serie meiner, teilweise Systemcrash bedingten, Altlasten abgebaut. Falsch gedacht, je genauer man hinschaut desto mehr Lücken fallen auf. Ich sollte damit aufhören genau hinzuschauen 🙁

Ausgerechnet Rumänien musste es nochmal erwischen. Schon der Bericht von Rumänien 2017 war ja nur noch eine, aus dem Gedächtnis zusammengeklöppelte, Liste von Erinnerungen. So wird es leider auch hier wieder werden.

Bereits einige Tage vor Start stapelte sich das Reiseequipent bei uns zuhause. Zwischen Vorräten und Campingkram feilten wir an den letzten Details für unsere Anreise.

Gestartet sind wir 2017 Mitte Juli, ich kann mich noch gut daran erinnern dass es aus allen Kübeln gepisst hat. Die Anreise sollte uns auch dieses Mal wieder über die Ostroute, also Tschechien, Slowakei und Ungarn führen. In diesem Jahr wollten wir allerdings nicht über Arrad einreisen sondern die Grenze weiter im Osten, bei Sathmar, passieren.
Tina, Nic & Titus waren schon in der Nacht gestartet. Längere Passagen macht man mit so einem kleinen Knirps an Board am besten über Nacht. Wir starteten früh am darauf folgenden Morgen.
Für uns war der Tripp auch in anderer Hinsicht eine Premiere, zum ersten Mal eine lange Reise mit Chili.
Wir hatten verabredet uns irgendwo, nicht weit von der Ungarischen Grenze zu treffen, und ab dort zusammen weiter zu fahren.

Dunkle Erinnerungen habe ich an unseren Aufenthalt in Ungarn. Wir hatten uns für die Zwischenübernachtung einen Campingplatz ausgesucht. Es gab freie Platzwahl denn es war so gut wie nichts los. Es wurde an diesem Tag recht früh dunkel, nämlich gegen 16:00 Uhr am Nachmittag. Etwas früh für Mitte Juli. Grund dafür war ein schnell aufziehendes Gewitter, wir hatten gerade noch die Zeit die beiden Markisen in Position und das ein oder andere in Sicherheit zu bringen, da brach die Sintflut auch schon, von starkem Wind begleitet, los. Frauen, kleine Kinder & Hunde brachten sich in den Fahrzeugen in Sicherheit. Die beiden männlichen Trail-Punks wurden ihrer Rolle gerecht und sorgten dafür dass die zuvor aufgestellten Markisen auch dort bleiben wo sie hingehören, nämlich am Auto. Der Wind war in Böen so strak geworden dass die Stützen, trotz Verankerung, keinen freiwilligen Bodenkontakt halten wollten. Nach gut 30 Minuten waren die “Markisenretter” naß bis auf die Haut und massiv durchgefroren, dafür der Himmel aber wieder strahlend blau. So als wäre nie was gewesen. Erst mal alles trocknen.

Rumänien

Am folgenden Tag überquerten wir bereits die Grenze nach Rumänien. Wir hatten einige Kilometer Anreise hinter uns und so beschlossen wir einen zweitägigen Stop um einfach mal die Füße hochzulegen. Wir fanden auch ein superschönes Plätzchen am Fluß. Da es hier nach einem guten Angelgewässer aussah nutzte Nic die Gelegenheit mal eine Rute ins Wasser zu halten. Nach wenigen Minuten zog er auch schon den ersten Fang aus dem Wasser. Das ging ja mal schnell und stimmte optimistisch. Da der Bursche am Haken doch recht klein ausfiel, schenkte Nic ihm die Freiheit. Die Vermutung täuschte, danach wollte einfach nix mehr anbeissen obwohl wir wechselweise unser Glück versuchten. Für mich persönlich nicht weiter schlimm, ich hätte mir sonst am Abend eine Dose aufmachen müssen. So Fisch, und dann noch im Ganzen, ist nicht so mein Ding. Aber lustig war die Angelei trotzdem, auch wenn am Ende nix am Haken gehangen hat.

Da wir zwei Jahre zuvor den westlichen Karpatenzug erkundet hatten wollten wir jetzt etwas weiter östlich in den Landstrich einsteigen. Unser Offroad-Reiseführer versprach in der Region einige nette Tracks und die wollten wir uns auf keinen Fall entgehen lassen.

Ein sehr schönes Erlebnis war der Besuch des Offroad-Camps von Bouke. Er ist Niederländer und hat vor ein paar Jahren in Borsa ein Camp, speziell für Offroader, auf die Beine gestellt. Wir haben uns bei ihm auf Anhieb wohl gefühlt. Das Camp umfasst alles was Offroader und 4×4-Overlander so brauchen. Angefangen bei einigen Stellplätzen die ohne Allrad nicht zu erreichen sind, über ein gutes Restaurant (hier wird rumänische Hausmannskost serviert), bis hin zu einer kleinen aber feinen Werkstatt. Obligatorisch sind natürlich eine große Feuerstelle und Sanitäranlagen nach mitteleuopäischem Standard.

Das Offroad-Camp

Wir blieben einige Tage in der Gegend und hätten es dort auch bestimmt noch viel länger aushalten können. Aber, wie das bei uns Leguanen nun mal in der Natur liegt, zog es uns dann doch irgendwann an die Küste. Hier ein paar Bilder unserer Tage in der Region. Tag für Tag, Einsamkeit und Natur pur.

Konstanza

Die Fahrt nach Süden war, wie auch schon 2017, ziemlich lang und ziemlich warm. Bei bestem Strandwetter erreichten wir “unseren” Beach. Diesen hatten wir noch von vor 2 Jahren auf dem Schirm. Bei Ankunft waren wir allerdings sehr überrascht und auch ein wenig enttäuscht. Wir hatten in diesem Jahr zufällig die rumänischen Sommerferien für unseren Besuch erwischt. Da wo wir vor 2 Jahren noch nahezu alleine gestanden hatten war es gut belebt. Okay, Klagen auf sehr hohem Niveau, ich korrigiere meine Aussage etwas. Im Vergleich hatten wir bei unserem ersten Besuch einige Kilometer Abstand zwischen uns und dem nächsten Nachbarn, in diesem Jahr waren es nur noch ein paar Hundert Meter. Kein Vergleich mit der Costa Brava oder ähnlichen europäischen Hotspots 😉

Aber Nachbarn sind ja nicht nur was schlechtes. Ganz im Gegenteil, unsere rumänischen Nachbarn stellten sich am Morgen nach unserer Ankunft erstmal bei uns vor. Wir sassen mit dem ersten Kaffee in der Morgensonne als ein roter 190er Mercedes an unserem Lager stoppte. Fahrer und Beifahrer stiegen aus und begrüßten uns sehr freundlich. Der Fahrer in fast akzentfreiem Deutsch und sein Beifahrer in gebrochenem Englisch. Sie waren auf dem Weg nach Konstanza zum einkaufen und erkundigten sich ob sie irgendwas für uns mitbringen könnten. Da wir aber am Vortag noch aufmonitioniert hatten waren wir versorgt. Als das Thema geklärt war zückten die beiden eine Flasche (2 Liter PET) selbstgebrannten Palinka, unsere Ablehnung mit der Begründung dass wir ja noch nicht gefühstückt hätten wurde quasi ignoriert und so wurden die Kaffeetassen geleert und mit Hochprozentigem gefüllt. Die Nachbarn verzichteten auf ein Trinkgefäss und zogen gleich eine zweite Flasche aus dem Getränkehalter im Mercedes. Mehrere Palinka später machte sich die eine Gruppe auf den Weg zum Einkaufen während die andere Gruppe überlegte sich wieder ins Bett zu packen. Ich denke ich muss nicht zum raten auffordern zu welcher Gruppe wir vier gehörten.
Zum schlafen sind wir dann aber doch nicht mehr gekommen denn eine gute Stunde später stand der rote Sternenkreuzer erneut an unserem Camp und brachte für alle ne Runde Eis. Danach ging kein Weg an weiteren Runden Palinka vorbei, schliesslich hatten wir ja nun so eine Art von Frühstück gehabt. Aber man muss ja offen sein, andere Länder, andere Sitten.

Alles in allem verbrachten wir wirklich schöne Tage am Meer. Es wurde auch nicht langweilig, immer wieder durften wir allzu optimistische Touristen befreien die sich auf dem Weg zum Strand im weichen Sand eingebuddelt hatten.

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