Frühjahr 2019

Die Idee länger als drei oder vier Wochen unterwegs zu sein, also mal richtig zu reisen, beschäftigt uns ja schon länger. Zeitweise haben wir sogar darüber nachgedacht die Heimat für immer zu verlassen und an einem anderen Ort ganz von vorne anzufangen. Den Gedanken haben wir zu dem Zeitpunkt verworfen als wir begannen mit unserem Frosch zu reisen.

Aber vielleicht erstmal von vorne.
Unterwegs waren wir immer gerne, egal ob wir uns in Deutschland auf einem Festival oder auf einer kleinen Insel im Karibischen Meer rumgetrieben haben. Überall war es schöner als Zuhause. Daran hat sich grundlegend nichts geändert. Zwar mögen wir unsere kleine Stadt Bielefeld aber fahren trotzdem lieber weg als dass wir nach Hause kommen. Das Fernweh nagt fast jeden Tag an uns aber Urlaubstage sind endlich und auch günstiges Reisen muss irgendwie finanziert werden. Unausweichlich landeten wir in der typischen Spirale aus Arbeit (Beschaffung) und Urlaub (Vernichtung) die eigentlich fast jeder kennt, es sei denn er verbringt seine Zeit am liebsten in seinem Schrebergarten oder auf dem Dauercampingplatz, was auch okay ist.
Wie schon erwähnt ist die Ressource Urlaub meist der limitierende Faktor und auch wenn wir versuchten viele Wochenenden und Brückentage zu nutzen verließ uns nie das Gefühl von der Uhr getrieben zu werden. Das sollte aufhören. Aber wie ?

Von digitalen Nomaden, Unterwäsche und Gelegenheitsjobbern

Der erste Gedanke dreht sich immer um die Beschaffung. Klar man schmeißt den Job und schreibt ne`n Reiseblog oder besser noch ein Buch. Geht das wirklich ?
Die Antwort ist schlicht und ergreifend „Jein“. Im Laufe der Zeit haben wir tatsächlich mal den einen oder die andere getroffen wo das funktioniert hat. Wenn man unter richtigen Voraussetzungen an die Sache rangeht, kein Problem. Dazu sollte jedoch entweder eine gewisse Menge an Vermögenswerten oder aber ein sehr sonniges Gemüt vorhanden sein.

Wir haben aber weder Vermögen noch vermietbare Immobilien in der Hinterhand, somit fällt für uns das Reisen als Privatier schon mal raus.

Auch das andere Extrem nämlich ohne nennenswertes Budget zu reisen passt nicht wirklich zu uns. Wir sind zwar nicht verschwenderisch aber von der Hand in den Mund leben oder Straßenmusik für eine Tankfüllung aufführen wäre jetzt auch nicht so unsere Vorstellung von der Freiheit auf vier angetriebenen Rädern. Ist also auch raus.

Aber wie jetzt wirklich an die nötigen Ressourcen Geld & Zeit kommen ohne auf die Rente zu warten oder im Lotto zu gewinnen ?

Naheliegend war der Gedanke sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser zu halten. Da wir beide jedoch weder über eine fundierte handwerkliche Ausbildung noch über irgendwelche herausragenden Talente in dieser Richtung verfügen ist diese Art des Geldverdienens ebenfalls raus.

Bleibt noch der Weg des Digitalnomaden, tolle Beschreibung für jemanden der „remote“ von Unterwegs arbeitet. Würde in meinem Job sogar fast gehen aber da muss man halt auch den richtigen Arbeitgeber finden oder sein eigener Arbeitgeber sein. Im zweiten Fall sollte das Geschäft auch schon seit einiger Zeit gut laufen, also nix für ein Startup. Rechner untern Arm und weg ist also auch nicht von jetzt auf gleich machbar. Abgesehen davon schränkt man sich so auch wieder ganz extrem ein, ist halt wie regelmäßiges Arbeiten, nur eben von unterwegs. Und doch wieder ständig auf die Uhr schauen. Okay, ist ebenfalls raus.


Viele weitere Ideen, manche zu abgedreht um überhaupt darüber zu reden, wurden nach kurzer oder manchmal auch längerem Überlegen auf die „Raus-Liste“ befördert. Oder hat vielleicht von Euch jemand ne Idee wo man am besten getragene Unterwäsche zu Wucherpreisen an den Mann oder auch die Frau bringen kann 😉 ?

Spaß beiseite, wir haben über 2 Jahre hin und her überlegt, sind dabei jedoch nicht wirklich zu einer tragfähigen Idee gekommen. Zumindest nichts was realistisch machbar gewesen wäre. Banküberfälle sind ja auch nicht mehr das was sie früher mal waren.
Aber ich schweife ab.
Irgendwann im April oder Mai, ich kann es gar nicht mehr so genau sagen, wachte ich eines Samstagmorgens auf und hatte das Gefühl die Lösung für unser Problem gefunden zu haben. Nicht dass es der revolutionäre Einfall gewesen wäre. Es war mehr das Gefühl eine Struktur gefunden zu haben mit dem man das Thema nochmal ganz anders aufrollen könnte.
Gesagt getan, nach kurzer Zeit war uns recht klar was wir machen mussten um unsere Chance auf eine längere Reise zu bekommen.

Wären wir nicht lange Zeit immer hinter der EINEN SUPERIDEE hergelaufen wären wir bestimmt schon viel eher darauf gekommen. Aber so entstand, und entsteht auch immer noch, Stück für Stück DER MASTERPLAN

Update Januar 2022

 Der Masterplan war ein guter Plan und ich lasse auf die Idee grundsätzlich auch nichts kommen. Wir hätten ihn gnadenlos durchgezogen, wäre nicht …
… Corona über uns hergefallen und hätte uns einen Strich durch den Plan gemacht.

Aber auch das, liebe Freunde, ist nur die eine Seite der Medaille. Halbleer oder halbvoll ?
Genau diese Frage stellt sich auch im Zusammenhang mit Corona, zumindest für unser Reisevorhaben.

Halbleer (Frühjahr 2020):
Verzögerungen, Verzögerungen, Verzögerungen. Wir kommen einfach nicht los und wenn doch wohin auch ? Die Unsicherheit über welche Grenzen man überhaupt noch kommt ist groß. An ein dauerhaftes Wohnen auf einem Campingplatz ist überhaupt nicht zu denken. Das Risiko, plötzlich obdachlos zu sein, wollen wir nicht eingehen. Also warten wir. Bange Frage: Geht der Plan irgendwann noch auf ?

Halbvoll (Anfang 2022):
Kein Ende der Verzögerungen in Sicht ABER nach 2 Jahren zuhause, ohne nennenswerte Freizeitaktivitäten (mal abgesehen von Urlaub) und den damit verbundenen Ausgaben ergibt ein Kassensturz, dass ein Start der Reise durchaus im Bereich des möglichen liegen könnte und zwar ohne den Umweg über den Campingplatz zu machen. Die Frage ist nur: Wie weit würden wir theoretisch kommen. Als in den darauf folgenden Wochen Stück für Stück die Corona-Beschränkungen fielen, fassten wir einen Entschluss.
Wir werden 2022 starten !
Und das war die andere Seite. Auch wenn es sich nicht ganz korrekt anhört haben wir „Dank Corona“ viel mehr sparen können als wir uns das hätten vorstellen können. Gut, wir sind nicht über Nacht reich geworden, aber da wir seit jeher keinen verschwenderischen Lebensstil geführt haben sind wir fast beim geplanten Budget angekommen. Mit ein paar glücklichen Verkäufen und weiterem eisernen Sparen werden wir es schaffen noch 2022 aufzubrechen.

Damit ist der Masterplan, zumindest in Teilen, hinfällig geworden. Aber ohne den Masterplan wären wir nie soweit gekommen wie wir es heute sind. Der Masterplan hat uns die Struktur gegeben die wir brauchten, ob er in allen Teilen umgesetzt wurde ist am Ende eigentlich gar nicht so wichtig. Er hat seinen Job gemacht indem er uns den roten Faden bis zum Ziel gezeigt hat.


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